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dabrye - two / three
ghostly

Vor zwei Jahren schon hieß es "Game Over". Der mittlerweile, leider viel zu früh, verstorbene Jay Dee rappte noch 2004 gemeinsam mit Phat Kat über die erste Singleauskopplung von Dabryes lange erwartetem zweiten Album. Das erscheint nun also mit deutlicher Verspätung, aber wer mit so vielen Vorschusslorberen bedacht wurde und überhaupt als hyperaktiver Produzent unter x Pseudonymen pausenlos völlig unterschiedliche, immer spannende Musik von Oldschool Acid bis Electronica raushaut wie Tadd Mullinix, der kann seine Sache ja mit souveränem Zeitmanagement und mit Berechnung angehen - und die Fangemeinde auch mal warten lassen.

Was "Game Over" bereits als künftiges Dabrye-Programm angekündigt hatte, wird nun also auf Albumlänge umgesetzt: Es geht nicht mehr um die Rekonstruktion oder die rhythmische Erweiterung von HipHop auf einer Techno-Matrix, sondern gleich um the real thing, um fettes Beatgeklimper und böse Reime. Prefuse 73, dessen Name nicht umsonst regelmäßig ins Spiel gebracht wird, wenn es um Dabrye oder generell um die innovative HipHop-Zerlegung der letzten Jahre geht, hatte ja auch das mit seiner letzten LP "Surrounded By Silence" schon vorgemacht. Tadd Mullinix hat für dieses Unternehmen gleich über ein Dutzend MCs in sein Studio getrommelt, von genanntem Jay Dilla über Doom und Beans bis MC Invincible und Waajeed von den Platinum Pied Pipers. Was dabei wohl rauskommt? Tighter Stoff natürlich, schmutzig-weird, undergroundig, verquer und ziemlich heiß. Die Instrumentals, im Grunde noch aufregender als die "kompletten" HipHop-Stücke, bleiben meist Skizzen, angerissene Beat-Ideen auf knapp zwei Minuten Länge, die zeigen woraus Dabrye noch einen fertigen Feature-Track hätte basteln können. Die DJs da draußen werden sich darum kümmern, dass auch darüber noch passende A Cappellas gestreut werden.

"Two / Three" arbeitet also weiter an der Verkehrung einer alten HipHop-Regel: Als große KünstlerInnenfigur agieren hier nicht mehr die RapperInnen mit ihrem Großmaul, die sich für ihre Rhymes die entsprechende Couture der heißesten Beat-SchneiderInnen aussuchen, sondern der stumme Producer hinter seinen Maschinen, der sich die Worte zu seinen Beats erst kaufen muss.

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last updated: 2009.08.26, 12:29