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justus köhncke - safe and sound
kompakt

Er singt keine Schlager mehr. Nachdenkliche Texte, beinahe nackte Paarreime in Deutsch und zerbrechliche Harmonien waren gestern. Justus Köhncke frönt wieder mit ganzem Herzen seiner ewigen Leidenschaft: Disco. Dafür gibt sich eine andere, frisch abgespaltene Köhncke-Persönlichkeit namens Kinky Justice jener Chanson-Seligkeit hin, die seit dem Cover-Album "Spiralen der Erinnerung" eine nicht minder glorreiche Tradition im Schaffen des Kölner Produzenten hat. Sein "Doppelleben", wie er das letzte, vor drei Jahren erschienene Album noch programmatisch betitelt hatte, hat Köhncke also konsequent auseinander dividiert. Ein klein wenig darf man der eigentümlichen Spannung nachtrauern, die er wie kein anderer zwischen Bassdrum-Wumms und Herz-Schmerz-Lyrik aufzubauen vermochte. Allerdings nur so lange, bis das Hedonismusprogamm seines vierten Albums "Safe And Sound" zu wirken beginnt.

Denn während sich Kinky Justice um Gesang und schöne Reime kümmert, hat Justus Köhncke den Weg zurück in den Club gefunden und tanzt dort zu einem Future-Disco-Sound, der sich lustvoll auch aus dem musikhistorischen Schatzkästchen bedient. Er beschwört den Geist der New Yorker Paradise Garage herauf, verneigt sich vor The Human League, schickt mit einer Coverversion von Michael Rothers "Feuerland" Grüße an die Krautrock-Väter und lässt Acid-Verweise zwitschern. Damit funktioniert "Safe And Sound" wie ungemein erhebende Sehnsuchtsmusik, in der immer auch ein Ton von Verzweiflung mitschwingt. Ein einziges Mal erhebt Köhncke auf dieser Platte seine Stimme, um ein Mantra anzustimmen: "Don't worry, it's gonna be alright." Eine Beschwörungsformel, die ihre Zuversicht ausgerechnet aus Niederlagen und finsteren Momenten zieht - so wie alle gute Disco Music.

www.kompakt-net.de
myspace.com/justuskoehncke
 
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last updated: 2009.08.26, 12:29