plastikmädchen
texte zu feminismus und popkultur
 
musik

buch

comic

film/tv

mädchen

alltag

wer

was


home


xml version of this page
Only monsters can live without knowing what they are
 
Das erste, was man von Miranda July in ihrer Performance sieht, ist ihre Hand. Eine schmale weiße Hand, die vorsichtig hinter einer Leinwand hervorkommt und auf einer anderen Leinwand ein imaginäres Filmobjekt abtastet...
(2002.07.27, 18:40)

Das erste, was man von Miranda July in ihrer Performance sieht, ist ihre Hand. Eine schmale weiße Hand, die vorsichtig hinter einer Leinwand hervorkommt und auf einer anderen Leinwand ein imaginäres Filmobjekt abtastet - den Penis von D., dem Stiefvater des kleinen Mädchens, das sie in diesem Moment verkörpert. Man weiß nicht genau, ist das jetzt ziemlich komisch oder ziemlich melancholisch?

Zwischen Komik und Tristesse wird das Publikum heute abend bei Miranda Julys Videoperformance "The Swan Tool" noch häufiger hin- und hergebeutelt. Der Film, der die 26-jährige Künstlerin aus Portland quasi als Live-Hauptdarstellerin featured, die zwischen zwei übereinander angeordneten Screens auf einem Catwalk steht, geht und spricht, erzählt die surreale Geschichte von Lisa. Lisa versenkt ihren Körper in einem Plastiksack 6 Fuß unter der Erde, muss aber trotzdem weiterleben und in einer Parallelexistenz in einer riesigen, anonymen Versicherung arbeiten und wohnen, für die sie mit Spezialwerkzeugen verschlossene Autotüren öffnet (eines davon ist das "swan tool") und in der jeden Morgen anhand eines luftgefüllten Plastiksackerls überprüft wird, ob noch genug Leben in ihr ist.

Dazwischen schieben sich regelmäßig kontrapunktische Szenen, in denen z.B. das oben erwähnte junge Mädchen ihre Mutter beim Sex mit D. überrascht und zwischen totaler Neugierde und Panik schwankt, oder in denen verschiedene Menschen über eine merkwürdige Erscheinung bzw. ein extraterrestrisches Monster debattieren.

Das Faszinierende an der Performance ist aber vor allem das Zusammenspiel zwischen projizierten Bildern und der tatsächlichen Präsenz von Miranda. Immer wieder greift sie in Filmbilder hinein, simuliert einen Spaziergang durch die endlosen Cubicle-Schluchten des Großraumbüros oder verrückt auf der Leinwand zwei Sessel zu einer neuen Formation. Sie unterhält sich mit abgefilmten Personen, die sie alle selbst - mit verstellter Stimme - spricht. Die Musik von DJ Zac Love, die die gesamte Performance begleitet, stellt dazu subtile Spannungsbögen her.

Die vielen verschiedenen Mittel, die in "The Swan Tool" zum Einsatz kommen, wie die Aufteilung der Bilder auf zwei Screens, die Mischung von kinohaften und rein graphischen Elementen, die Interaktion einer realen Schauspielerin mit AkteurInnen "aus der Konserve" hat für mich auf beeindruckende Weise gezeigt, dass Film noch viel mehr kann als das, was man bisher in Film- und Videoarbeiten kennen gelernt hat. Und da denkt man, man hat schon alles gesehen. Schade, dass ich die Filme, die am Freitag im Depot gezeigt wurden, nicht sehen konnte. Aber am meisten hätte mich ja doch das Video interessiert, das sie 1999 für das Sleater-Kinney-Lied "Get Up" gedreht hat... | fm4.orf.at feb 01
kontakt