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Be the guitarist!
 
In Hamburg fand vom 21. bis 24.08.03 das Festival statt, das wir uns alle schon so lange gewünscht hatten: das Ladyfest.
(2003.10.07, 20:52)

"Don't be in love with the guitarist! Be the guitarist!" schrie es allen Mädchen und sympathisierenden Jungs diesen Sommer agit-prop-mäßig von der Elbe entgegen. Denn in Hamburg fand vom 21.-24.08. das statt, was eigentlich das aller erste deutsche Ladyfest hätte werden sollen, vorher aber aufgrund großer Begeisterung schon enthusiastische Nachahmerinnen in Berlin (04.-15.08.) und Leipzig (16.08.) gefunden hat.

Nachdem im Jahr 2000 die Godmothers der Riot-Grrrl-Bewegung sich nach dem Medienhype um so genannte "Girlies" flugs augenzwinkernd in "Ladies" umbenannt hatten und mit dem ersten Ladyfest in Olympia die amerikanische Westküste gerockt hatten, ist der Impuls für feministisch-aktivistische Popkultur und Selbstorganisation in guter alter DIY-Manier endlich auch nach Deutschland übergeschwappt. So haben in Hamburg ein Haufen engagierte Musikerinnen, Künstlerinnen, Theoretikerinnen etc. ohne finanzielle Unterstützung (in Hamburg ist seit Anbruch der Schill-Ära Frauenförderung ja nicht mehr "zeitgemäß") mithilfe von zahllosen Benefizes ein extrem vielfältiges Festival auf die Beine gestellt, das neben der Präsentation des Kunst- und Musikschaffens von Frauen auch noch ganz selbstverständlich auf Issues wie Rassismus und ausgrenzende Globalisierungsmechanismen hingewiesen hat.

Vor Ort

Am ersten Tag des Ladyfestes kommen wir spätabends mit quietschenden Reifen in Hamburg an und spurten mit hängender Zunge zum Hafen. Zum Glück sind wir aber noch so halb rechtzeitig: Wir haben zwar die spannende Eröffnungsdiskussion und schon einige Bands verpasst, aber die geniale Kevin Blechdom steht noch in den Startlöchern und schmettert bald in einem puffärmeligen Amish-People-Kleid ihre never ending Version von "I will always love you". Auf dem rüstig-rostigen Veranstaltungs-Schiff MS Stubnitz, das mit seinen zwei Floors im Schiffsbauch und dem "Leisure Deck" im Freien neben Roter Flora, Buttclub und Marktstube einer der Hauptveranstaltungsorte des Ladyfests ist, reiben schon zahlreiche Promis der Hamburger Szene ihre Schultern aneinander.

Die langen, engagierten Do-It-Yourself-Vorbereitungen für das Festival, das unter dem Motto "Revolution LadyStyle, NOW!!!" steht, haben sich aber nicht nur im Hinblick auf die beeindruckenden BesucherInnenströme gelohnt. Das in den vier Tagen gebotene Programm war so dicht und vielfältig, dass man nie wusste: Wohin als nächstes? Konzert-Highlights waren sicherlich das Akustikset von Parole Trixi (deren Drummer übrigens nicht wegen eines inexistenten "Männerverbots", sondern schlicht wegen einer Urlaubsreise nicht anwesend sein konnte), das in einem großartigen Aguilera-Cover von "Beautiful" gipfelte, La rocking Hengst, Masha Qrellas tolles Solo-Set, Kevin B. natürlich und die absolut mitreißende Performance von Rhythm King & Her Friends im Le-Tigre-Style.

Aber auch die DJ-Abende mit, u.a., der fantastischen Dinky und Speed-Chick Melissa Logan; die zahlreichen Workshops mit Anleitungen zum "Riot don't diet"-schreienden radical cheerleading, Comics-, Fanzine- und Siebdruck-Machen, Platten auflegen und aufnehmen; die Lesungen; die Filmvorführungen und Kunstausstellungen waren - alle toll. Aber am schönsten war wahrscheinlich, dass Frauen und Mädchen aus jeder Ecke Deutschlands bzw. Europas angereist waren - eine flog sogar aus Amerika ein. Hui.
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