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Persepolis 2
 
Mit "Jugendjahre" liegt der letzte Teil von Marjane Satrapis Iran-Comic, der im globalen Feuilleton so euphorisch rezipiert wurde, nun auch auf deutsch in den Läden.
(2005.05.09, 19:18)

Der zweite Band der als autobiografischen Coming-of-age-Geschichte angelegten Graphic Novel, dem in der französischen Originalausgabe Heft 3 und 4 entsprechen, führt ganz homogen in Inhalt und Form das fort, was schon am ersten Teil so großartig war. Mit ihren minimalistischen Schwarz-Weiß-Zeichungen ohne jegliche Grauabstufungen erzählt die in Frankreich lebende Künstlerin von ihrem Leben als rebellische und orientierungslose Jugendliche im Wiener Exil, wo sie im poshen Lycée français als "Drittweltlerin" von reichen Snobs umgeben ist, von ihrem Horrortrip in die Beinahe-Obdachlosigkeit und von den Anpassungsschwierigkeiten nach der Rückkehr in den restriktiven Iran.

Neben dem ungläubigen Kopfschütteln über den Hindernisparcours durch ein Riesen-Ausmaß an Verrat, Rassismen, religiösem Wahn (katholisch wie islamisch) und staatlicher Überwachung, das die Erzählerin schon in so jungen Jahren durchläuft, ist es vor allem die bestechend ehrliche Analyse gesellschaftlicher und privater Zwänge, die sich den LeserInnen ins Hirn fräst. Hier wird niemandem etwas vorgemacht, sondern den Widerwärtigkeiten direkt ins Gesicht gestarrt und oft auch hysterisch gelacht. Dass das niemals defaitistisch oder larmoyant wirkt und als einer der vielen Gegenpole die Liebe der Heldin zu ihren Eltern so rührend greifbar gemacht wird, ist das eigentlich Umwerfende an diesem herausragenden Comic.

Marjane Satrapi: Persepolis. Jugendjahre. Edition Moderne 2005 | intro feb 05
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